Wesen und Ding

Ein Wesen ist da gewesen, ist da und wird da sein. Da kommt ein anderes Wesen vorbei, dem schon da seienden Wesen beim Dasein zuschauend. Es denkt: Dieses Wesens Schein ist so fein, da muss mehr Sein sein. Das Wesen vor ihm löst eine Erinnerung aus. Ein Bild kommt hervor aus ferner Zeit, verstärkt noch vom schönen Schein. Es ist das Bild vom wesentlichen Kern, so rein so klar, alle Wesen verwesend in Eins.

Das beobachtete Wesen bemerkt die Beobachtung nicht. Die Gelegenheit ist da ihm sein Geheimnis zu entreißen. Das zuschauende Wesen setzt zum Sprung an in die Tat. Es greift nach dem Wesen gegenüber und zieht die sichtbare Schicht hinweg. Ein funkelndes Etwas liegt vor ihm, Neugierde säend auf mehr. Doch auch das Etwas ist nur eine Schicht die eine weitere Schicht verbirgt.

Schicht um Schicht kommt hervor, mal verheißungsvoll glitzernd mal geheimnisvoll strahlend aus ferner Tiefe. Geschmeidiges Material zeigt sich, jedoch nicht der erhoffte Kern der alles mit allem vereint.

Befangen im Strudel der Suche verblasst das Bild vom reinen Kern. Das greifende Wesen zweifelnd an seiner vielleicht voreiligen Tat. Seiner Mühe noch einen Sinn geben wollend fragt es sich: Vielleicht ist jede Schicht für sich schon das Wesentliche und es gibt nicht nur einen sondern viele Kerne die aber nicht aussehen wie der Kern in meiner Erinnerung?

Während das suchende Wesen erschöpft da liegt, lacht das zerlegte, beobachtete Wesen. Sein Wesentliches verschwindet unbemerkt im Strom der Zeit, nichts weiter als ein Ding hinterlassend. Das Ding anblickend sieht das Wesen Nichts. Je länger der Blick ruht auf dem nichtigen Ding, umso mehr schmerzt das Verschwinden des Wesens, vertrieben durch scheinbar sinnlose Suche. Verschwunden ist auch die Erinnerung an den wesentlichen Kern.